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Savio: Die Beziehung zur Landschaft als Quelle für eine expressive
Bild - und Formfindung
von Mag.phil. Eleonora Bliem-Scolari
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Jedes Stück des Weges, das ein Kunstschaffender im Lauf seiner
Entwicklung, seinem prozesshaften Abtasten der eigenen Fähigkeiten
und seines Vorstellungspotentials im Fortschreiten in kunstbezogener
Manier hinter sich lässt, resultiert im Grunde genommen aus
einem mehr oder weniger ausgewogenen Spiel visueller Erfahrungen,
emotioneller Aufnahmebereitschaft und schließlich aus der
intellektuellen Verarbeitung konventioneller Eindrücke. Die
morphologischen Strukturen einer Landschaft fordern vom Beobachter
nicht immer stringentes Raumsehen und das Haptische eines menschlichen
Körpers kann in der aufgelösten Kontur die sensitive
Begreifbarkeit erfahren. In dem Sinn wird Eindeutiges nicht auf
augenscheinliche Kürzel reduziert, sondern erlebt in unserer
nicht vorurteilsfreien Blickwelt die Arbeit eines Kunstschaffenden
als interessante Herausforderung für unsere eigenen Gedankenkonstrukte.
Gerade dem Maler und Bildhauer Savio, er studierte an der Akademie
der bildenden Künste in Wien bei Anton Lehmden und Josef
Mikl, gelingt jenes unverwechselbare Umsetzen von natural Erfassbarem
in malerische Notationen, die an sich assoziationsfrei dem Wesentlichen
verpflichtet sind. Die duale Mischung aus einer rational orientierten
Titelfindung und dem Ergebnis - der künstlerischen Umsetzung
auf dem Bildträger oder den raumgreifenden Objekten in Holz
oder Metall - beweisen augenscheinlich Savios Intention, seiner
künstlerischen Arbeit nicht alleinig eine spontane Emotion,
sondern viel mehr eine Idee, einen ursächlichen Willen zur
Formulierung zu unterlegen. Die vertraute Aussicht, das Waldviertel,
das Kamptal, konkurrieren bei Savios Landschaftsdarstellungen
tatsächlich mit seiner Vorstellungskraft, und die bodenständig
horizontferne Wegpartie wird einem farbinduzierten Augenblick
gleichgesetzt. Zum Beispiel werden in den Bildarbeiten zu "Erdiges
Land" (2005) die dem Wechsel der Jahreszeiten ausgesetzten
Felder, Wiesen und das Kulturland zu Farbwerten. Die Homogenität
der Landschaft gewinnt durch die Umsetzung in monochrome Kompartimente
in unserer Gedankenwelt tendenziell an Bewegung und Tiefe, um
dann wiederum in dem Bildzyklus "Relikte" (2004, 2005)
in der typischen Landschaftsaussicht den Nahpunkt zu finden. Schlussendlich
tendiert Savio zur Auflösung einer annähernden Gegenständlichkeit,
in der eben nur mehr die erwähnte Idee der uns vertrauten
Landschaftsvariabeln eingesetzt wird. Das Aufbauen vieler Bildarbeiten
mit wiederholt collagierten Elementen und der Einsatz unterschiedlicher
Materialien wie Eisen oder Holz als Bildträger unterstützen
auch den konstruktiven Charakter der Bildthematik.
Das ausgewählte Motiv erfährt aber seine Zusammenfassung,
seine zielführende Bedeutung durch die Kontur, die dem typischen
Räumlichkeitsgedanken entgegen geht.
Der Landschaft folgt als weiterer Motivschwerpunkt Savios die
farblich kontrastreiche Aktdarstellung des menschlichen Körpers
- eine Darstellungsweise, die eigentlich replizierend das Prinzip
der Landschaftsaufnahme erahnen lässt. Proportional überlange
Körperpartien werden in skizzierten Konturen zusammengefasst
und der Strich selbst, der Malduktus wird vom Künstler rasch
und fahrig eingesetzt. Das Ziel des Zeichners und Malers ist nicht
die Darstellung einer vorweg genommenen geschlossenen Einheit,
denn diese Erfahrung findet durchaus erst in den Augen des Betrachters
ihre weitere Fortführung.
Eine durchwegs differente Themenaufarbeitung erfährt man
in dem als Installation konzipierten Bildzyklus zu den Versen
des "Cherubinischen Wandersmanns" des deutschen Mystikers
Angelus Silesius, der 2006 im Rahmen des Projektes "KUNSTmesse.
Zeitgenössische Kunst im sakralen Raum" im Weinviertel
entstanden ist. Das scheinbar fragile Zusammentreffen von rhythmisierenden
Formen mit balanciert verhaltenen Farbwerten am Bild festigt in
begleitender Absicht die Verse in ihrer Aussagebrisanz, nämlich
die Vereinigung der Seele mit Gott zu erreichen. Die Malerei übernimmt
den Part der Interpretation und der Antwort des Künstlers
auf die Gebete des Mystikers.
Hingegen wird in den Holzobjekten und den Bronzearbeiten, v. a.
in den Arbeiten "Bewegung", "Liegende" oder
"Ballett" der Körper, der Torso durch die tragende
Konstruktion, dem Podest, einer unvermutet weiteren Spannung ausgesetzt;
die Plastik und ihr Träger konkurrieren förmlich mit
dem Anspruch auf Eigenständigkeit. Als durchaus von gegenteiliger
Natur empfindet man die Bronzeserie mit der Bezeichnung "Ein
Hauch" (2005), in der Savios Reduktionsprinzip auf spannende
Weise sichtbar wird. Der konkreten Titelgebung steht eine indirekte
Objektlösung gegenüber und auch die raumgreifende Eigenschaft
wird beinahe auf Reliefstatus zurückgedrängt.
Nun, zahlreiche Auftragsarbeiten für den öffentlichen
Raum, in denen sich der Kunstschaffende mit der herausfordernden
sakralen Thematik ("Kreuzgang", Kapelle des Bezirkskrankenhaus
Lienz, 2000) genauso auseinandersetzt, wie zum Beispiel mit einem
Zyklus von Bildern für die Wandgestaltung eines Speisesaales
("Formenklang", Nestlé Wien, 2000), in dem organisch
wirkende Zeichen und Chiffren einer Formel gleich gelesen werden
wollen, unterstreichen die Vielseitigkeit Savios in Bezug auf
das kunsttechnische Anwendungsspektrum als auch die Vielschichtigkeit,
sich differenzierten Inhalten abwägend zu nähern und
sie spekulationsfrei aufzubereiten.
Der Betrachter seiner Bilder und Plastiken erfährt es als
bereicherndes Erlebnis, näher hinzusehen und schließlich
die thematische Auseinandersetzung zuzulassen.
Mag. phil. Eleonora Bliem-Scolari
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